
Erasmus-Programm: Voraussetzungen, Finanzierung und Babys
Du überlegst, ein Auslandssemester zu machen und bist dabei auf den Namen Erasmus gestoßen? Kein Wunder – das EU-Programm fördert jedes Jahr zehntausende Studierende, Auszubildende und Freiwillige. Der aktuelle Programmleitfaden 2025 legt genau fest, wer teilnehmen kann, wie die Finanzierung funktioniert und welche Bedingungen gelten.
Programmzeitraum: 2021–2027 ·
Verwaltet von: Europäische Kommission ·
Förderdauer: 2–12 Monate ·
Förderform: Festbeträge möglich
Kurzüberblick
- Erasmus+ ist das EU-Programm für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport für den Zeitraum 2021–2027 (Europäische Kommission, Programmleitfaden 2025)
- Finanzhilfen können als nicht an Kosten geknüpfte Festbeträge gewährt werden (Europäische Kommission, Finanzielle Voraussetzungen)
- Die Teilnahme von Minderjährigen erfordert vorab die Genehmigung der Eltern oder gesetzlichen Vertreter (Programmleitfaden 2025)
- Die genaue monatliche Förderhöhe variiert je nach Zielland, Aufenthaltsdauer und Aktion – der Leitfaden gibt keine festen Euro-Beträge vor
- Rückzahlungsregeln können je nach Hochschule und Förderart unterschiedlich ausgestaltet sein
- Der Erasmus+-Programmleitfaden 2025 wurde im November 2024 veröffentlicht (Europäische Kommission)
- Die Bewerbung läuft über die Heimathochschule – Fristen und Auswahlverfahren legt jede Hochschule selbst fest
- Bei erfolgreicher Bewerbung erhältst du einen Mobilitätszuschuss, der in der Regel nicht zurückgezahlt werden muss
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Offizieller Name | Erasmus+ |
| Programmzeitraum | 2021–2027 |
| Verwaltet von | Europäische Kommission |
| Zielgruppe | Studierende, Auszubildende, Freiwillige |
| Förderdauer | 2–12 Monate |
| Förderform | Festbeträge (nicht an Kosten geknüpft) |
Was versteht man unter Erasmus?
Erasmus+ ist das Förderprogramm der Europäischen Union für Bildung, Jugend und Sport im Zeitraum 2021–2027. Es ermöglicht Studierenden, einen Teil ihres Studiums oder ein Praktikum im Ausland zu absolvieren, ohne Studiengebühren an der Gasthochschule zahlen zu müssen. Der Name geht auf den Gelehrten Erasmus von Rotterdam zurück – der Leitfaden wird von der Europäischen Kommission (Programmleitfaden 2025) herausgegeben.
Welche Länder sind am Erasmus-Programm beteiligt?
Teilnehmen können Studierende aus den 27 EU-Mitgliedstaaten sowie aus Island, Liechtenstein, Nordmazedonien, Norwegen, Serbien und der Türkei – insgesamt 33 Programm-Länder. Die genaue Liste der teilnehmenden Länder findest du im Programmleitfaden.
Wie lange dauert ein Erasmus-Aufenthalt?
Die Aufenthaltsdauer beträgt in der Regel 2 bis 12 Monate. Der genaue Zeitraum wird zwischen dir, deiner Heimathochschule und der Gasthochschule vereinbart. Der Leitfaden der Kommission gibt keine kürzere Mindestdauer für Studienaufenthalte vor – viele Hochschulen setzen jedoch ein Semester als Minimum an.
Studierende, die mit einem Stipendium rechnen, sollten wissen: Die EU-Förderung ist ein Zuschuss, der nicht zurückgezahlt werden muss – vorausgesetzt, der Aufenthalt wird ordnungsgemäß durchgeführt und die Ergebnisse fristgerecht eingereicht.
Wer hat Anspruch auf Erasmus?
Teilnahmeberechtigt sind Studierende an Hochschulen in den Programm-Ländern, die mindestens ein Jahr ihres Studiums abgeschlossen haben. Eine starre Notengrenze gibt es nicht – jede Hochschule kann eigene Auswahlkriterien festlegen. Auch Auszubildende und Freiwillige können über spezielle Aktionen teilnehmen. Der Leitfaden zu den finanziellen Voraussetzungen stellt klar: Antragsteller müssen im Antragsformular alle finanziellen Beiträge angeben, die nicht aus dem EU-Haushalt stammen.
Welche Notenvoraussetzungen gelten?
Es gibt keine EU-weiten Mindestnoten. Allerdings verlangen viele Hochschulen einen bestimmten Notendurchschnitt (oft 3,0 oder besser) und ausreichende Sprachkenntnisse für das Gastland. Die konkreten Kriterien findest du beim International Office deiner Heimathochschule.
Gibt es Altersgrenzen?
Für Studierende gibt es keine obere Altersgrenze. Für Personen unter 18 Jahren ist jedoch die vorherige Genehmigung der Eltern oder gesetzlichen Vertreter erforderlich – so legt es der Programmleitfaden 2025 fest.
Die Förderbedingungen können sich von Hochschule zu Hochschule unterscheiden. Die offizielle Quelle für verbindliche Regeln ist der Programmleitfaden der Europäischen Kommission – nicht die Webseite einzelner Hochschulen.
Wie viel Geld bekommt man für Erasmus?
Die Höhe des Mobilitätszuschusses hängt vom Zielland, der Aufenthaltsdauer und der konkreten Aktion ab. Die EU vergibt die Finanzhilfen als Festbeträge – also als nicht an die tatsächlichen Kosten geknüpfte Pauschalzahlungen. Der Leitfaden zu den finanziellen Voraussetzungen erklärt, dass die Beträge auf Basis des geschätzten Projektbudgets, des Bewertungsergebnisses und eines Fördersatzes festgelegt werden.
Wie hoch ist der monatliche Mobilitätszuschuss?
Die genauen Sätze sind im Leitfaden nicht pauschal genannt – sie variieren stark. In der Praxis erhalten Studierende aus Deutschland je nach Zielland zwischen etwa 300 und 600 Euro pro Monat. Studierende mit Behinderung oder aus benachteiligten Verhältnissen können zusätzliche Mittel beantragen. Die Europäische Kommission betont, dass alle förderfähigen Kosten tatsächlich entstanden sein müssen und den Anforderungen des Steuer-, Arbeits- und Sozialrechts entsprechen müssen.
Wann muss das Geld zurückgezahlt werden?
In der Regel muss der Mobilitätszuschuss nicht zurückgezahlt werden – vorausgesetzt du absolvierst den Aufenthalt wie geplant und reichst die erforderlichen Nachweise (Lernergebnisse, Bestätigung der Gasthochschule) fristgerecht ein. Der Leitfaden der Europäischen Kommission stellt klar: Ergebnisse oder Outputs müssen innerhalb des Durchführungszeitraums erreicht werden. Wird der Aufenthalt nicht angetreten oder abgebrochen, kann die Hochschule eine Rückzahlung fordern.
Wie viel kostet ein Erasmus-Jahr?
Ein Erasmus-Aufenthalt kostet dich im Kern: keine Studiengebühren an der Gasthochschule, aber Lebenshaltungskosten vor Ort. Die EU-Förderung deckt diese Kosten in der Regel nicht vollständig – du solltest mit einem Eigenanteil rechnen.
Wie viel Geld sollte ich für Erasmus einplanen?
Die Lebenshaltungskosten variieren massiv: In Skandinavien oder Großbritannien können die monatlichen Ausgaben bei über 1000 Euro liegen, in Südeuropa oft bei 600–800 Euro. Die Europäische Kommission weist darauf hin, dass die Finanzierung durch Eigenmittel, Einnahmen aus der Aktion oder Beiträge Dritter ergänzt werden kann. Plane also mindestens 200–400 Euro zusätzlich pro Monat ein.
Welche Kosten fallen an?
- Miete und Nebenkosten
- Verpflegung und Lebensmittel
- Krankenversicherung (für Nicht-EU-Bürger oft verpflichtend)
- Reisekosten (An- und Abreise)
- Sprachkurse oder Vorbereitungskurse
- Lokale Transportkosten
Viele Studierende unterschätzen die tatsächlichen Kosten und müssen ihr Auslandssemester vorzeitig abbrechen. Ein realistischer Finanzplan mit Puffer ist entscheidend – die EU-Förderung ist eine wertvolle Unterstützung, aber keine Rundum-Vollfinanzierung.
Wie viele Babys werden aus Erasmus geboren?
Ein kulturelles Phänomen, das immer wieder für Schlagzeilen sorgt: sogenannte Erasmus-Babys. Damit sind Kinder gemeint, die aus Beziehungen während eines Erasmus-Aufenthalts hervorgehen. Der Begriff ist im Volksmund geprägt und wird oft mit einer Studie der EU in Verbindung gebracht, laut der rund eine Million Babys durch Erasmus-Partnerschaften geboren worden sein sollen. Allerdings ist diese Zahl nicht im offiziellen Programmleitfaden 2025 enthalten und gilt als nicht bestätigte Schätzung.
Was sind Erasmus-Babys?
Der Begriff beschreibt Kinder, deren Eltern sich während eines Erasmus-Aufenthalts kennengelernt haben. Die Europäische Kommission selbst verwendet den Begriff nicht offiziell – er ist in Medien und sozialen Netzwerken entstanden. Klar ist: Erasmus fördert Begegnungen und Partnerschaften über Ländergrenzen hinweg. Ob die Millionenschätzung stimmt, lässt sich nicht exakt überprüfen.
Vorteile
- Keine Studiengebühren an der Gasthochschule
- Mobilitätszuschuss ohne Rückzahlung (bei ordnungsgemäßem Aufenthalt)
- Zusätzliche Förderung für Studierende mit Behinderung oder aus benachteiligten Verhältnissen
- Internationale Erfahrung und Sprachkenntnisse
Nachteile
- Förderung deckt oft nicht die vollen Lebenshaltungskosten
- Bürokratischer Aufwand bei der Bewerbung und Anerkennung
- Unsicherheit bei Rückzahlungsregeln bei Abbruch
- Eigenanteil von mehreren hundert Euro pro Monat nötig
Schritt für Schritt zur Erasmus-Bewerbung
- Informieren: Besuche das International Office deiner Hochschule und lass dich zu den Partnerhochschulen beraten.
- Voraussetzungen prüfen: Stelle sicher, dass du mindestens ein Studienjahr abgeschlossen hast und die geforderten Sprachkenntnisse mitbringst.
- Bewerbungsfristen einhalten: Die Fristen variieren – meist Ende Januar oder Ende Juni des Vorjahres.
- Unterlagen zusammenstellen: Lebenslauf, Motivationsschreiben, Notenübersicht und Sprachnachweis sind typische Anforderungen.
- Finanzierung klären: Beantrage den Mobilitätszuschuss bei der Hochschule und prüfe zusätzliche Stipendien (z.B. Erasmus+ für Studierende mit Kind).
- Gasthochschule kontaktieren: Nach der Zusage kümmerst du dich um Wohnung, Versicherung und ggf. Visum.
„Erasmus+ ist das EU-Programm für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport für den Zeitraum 2021–2027.“
Europäische Kommission, Programmleitfaden 2025
„Die Finanzierung in Erasmus+ kann als Kofinanzierung durch Eigenmittel, Einnahmen aus der Aktion oder Beiträge/Sachleistungen Dritter erfolgen.“
Europäische Kommission, Finanzielle Voraussetzungen
Für Studierende in Deutschland ist die Entscheidung klar: Wer die Chance auf ein Auslandssemester hat, sollte sie nutzen – aber mit realistischer Finanzplanung. Der Mobilitätszuschuss ist eine tolle Unterstützung, aber kein Vollstipendium. Ohne ausreichendes Eigenkapital oder zusätzliche Förderung kann der Aufenthalt zur finanziellen Belastung werden. Die Konsequenz: Nur wer die Kosten ehrlich kalkuliert, kann das Erasmus-Jahr ohne böse Überraschungen genießen.
jugendfuereuropa.de, hochschule-trier.de, erasmusplus.de, erasmusplus.schule, ef.de, na-bibb.de
Häufig gestellte Fragen
Wie bewerbe ich mich für Erasmus?
Die Bewerbung läuft über das International Office deiner Heimathochschule. Dort erhältst du die Liste der Partnerhochschulen und die Bewerbungsunterlagen. Die Fristen variieren, meist sind es zwei Termine pro Jahr.
Kann ich auch als Doktorand teilnehmen?
Ja, Promotionsstudierende können an Erasmus+ teilnehmen, allerdings oft über spezielle Fördermaßnahmen wie Personalmobilität. Informiere dich bei deiner Hochschule.
Gibt es Erasmus auch für Nicht-EU-Bürger?
Ja, auch Studierende aus Nicht-EU-Ländern können teilnehmen, sofern sie an einer Hochschule in einem Programm-Land immatrikuliert sind. Für die Einreise kann ein Visum erforderlich sein.
Welche Unterlagen werden benötigt?
In der Regel: Lebenslauf, Motivationsschreiben, Notenübersicht, Sprachnachweis und ggf. ein Lernvereinbarung (Learning Agreement).
Ist ein Sprachtest erforderlich?
Viele Hochschulen verlangen einen Sprachnachweis (z.B. TOEFL, IELTS oder ein Hochschulzeugnis) für die Unterrichtssprache des Gastlandes. Die Anforderungen stehen auf der Webseite der Gasthochschule.
Kann ich meinen Aufenthalt verlängern?
Eine Verlängerung ist in der Regel möglich, muss aber vor Ablauf des ursprünglichen Zeitraums beantragt werden – sowohl bei der Heimathochschule als auch bei der Gasthochschule. Die Gesamtförderdauer von 12 Monaten darf nicht überschritten werden.
Muss ich den Mobilitätszuschuss zurückzahlen, wenn ich abbreche?
Ja, bei vorzeitigem Abbruch ohne triftigen Grund kann die Hochschule eine Rückzahlung fordern. Bei Krankheit oder anderen unvorhergesehenen Umständen gibt es Härtefallregelungen.
Was passiert mit meinem BAföG während Erasmus?
BAföG-Empfänger können Auslands-BAföG beantragen, das zusätzlich zum Erasmus-Zuschuss gezahlt werden kann. Die genaue Anrechnung regelt das BAföG-Gesetz – am besten beim BAföG-Amt informieren.