
Vulkanausbruch: Aktuelle Infos, größte Ausbrüche & Gefahren
Wenn die Erde unter uns zu beben beginnt und Aschewolken aufsteigen, ist die Faszination oft genauso groß wie die Sorge – die wenigsten Naturphänomene vereinen so viel Zerstörungskraft und Schönheit wie ein Vulkanausbruch. In diesem Artikel trennen wir gesicherte Fakten von Mythen – von den realen Ereignissen auf La Palma über die tatsächliche Gefahr durch Supervulkane bis hin zu den Gründen, warum Flugzeuge Aschewolken meiden müssen.
Aktive Vulkane weltweit: ca. 1.500 ·
Ausbrüche pro Jahr: 50–70 ·
Schlimmster Ausbruch: Tambora 1815 (71.000 Tote) ·
Größter Supervulkan: Yellowstone (USA) ·
Jüngster großer Ausbruch in Europa: La Palma 2021
Kurzüberblick
- Der Tajogaite-Ausbruch auf La Palma begann am 19. September 2021 (Visit La Palma)
- Vulkanasche zerstört Triebwerke – belegt durch Eyjafjallajökull 2010 (Wikipedia)
- Yellowstone ist geologisch aktiv, ein Ausbruch ist kurzzeitig extrem unwahrscheinlich (Wikipedia)
- Ob ein Supervulkan in den nächsten Jahrzehnten ausbricht, ist nicht vorhersagbar (Wikipedia)
- Die genauen Todeszahlen historischer Ausbrüche (z. B. Tambora) sind Schätzungen (Wikipedia)
- Ob La Palma durch einen Ausbruch auseinanderbrechen kann, ist wissenschaftlich umstritten (Wikipedia)
- 2023–2024: Mehrere Ausbrüche auf Islands Reykjanes-Halbinsel
- 2021: Cumbre Vieja (La Palma) – 85 Tage Aktivität, 3.000 Gebäude zerstört
- 2010: Eyjafjallajökull (Island) – tagelanges Flugverbot über Europa
- Die Warnstufe auf La Palma bleibt gelb – erhöhte CO₂-Werte und leichte Beben werden registriert (La Palma 24)
- Forscher überwachen die Campi Flegrei in Italien wegen erhöhter Aktivität (La Palma 24)
- Die Luftfahrt arbeitet an besseren Asche-Frühwarnsystemen (La Palma 24)
Fünf zentrale Fakten im Überblick, die das Verständnis von Vulkanausbrüchen prägen:
| Merkmal | Wert / Fakt |
|---|---|
| Anzahl aktiver Vulkane | ca. 1.500 (davon etwa 50–70 Ausbrüche pro Jahr) |
| Höchster Vulkan | Ojos del Salado (6.893 m, Chile/Argentinien) |
| Größter bekannter Ausbruch | Supervulkan Toba vor 74.000 Jahren (globaler Winter) |
| Tödlichster Ausbruch (historisch) | Tambora 1815 (71.000 Tote) |
| Aktuellster großer Ausbruch in Europa | La Palma 2021 (Cumbre Vieja) |
Welcher Vulkan ist aktuell ausgebrochen?
Aktuelle Ausbrüche und erhöhte Aktivität
- Der Ätna auf Sizilien und der Stromboli vor der italienischen Küste zählen zu den aktivsten Vulkanen Europas und zeigen regelmäßig kleinere Eruptionen (Wikipedia)
- Auf Island kam es 2023 und 2024 auf der Reykjanes-Halbinsel zu mehreren Ausbrüchen – die Region war zuvor jahrhundertelang ruhig gewesen
- Das Instituto Geográfico Nacional registrierte auf La Palma in den 90 Tagen vor Dezember 2025 insgesamt 26 leichte Erdbeben (La Palma 24)
Die geologische Gemeinschaft beobachtet aktuell rund 20 Vulkane weltweit mit erhöhter Alarmbereitschaft. Die meisten dieser Vulkane liegen entlang des pazifischen Feuerrings.
Die Häufung von Ausbrüchen auf Island seit 2021 hat die europäische Vulkanologie auf den Plan gerufen – eine Region, die lange als geologisch ruhig galt, zeigt plötzlich ein neues Gesicht. Für Anwohner und Behörden bedeutet das: höhere Wachsamkeit, bessere Frühwarnsysteme und mehr Evakuierungsübungen.
Echtzeitdaten und Überwachung
- Forscher nutzen ein Netz aus Seismometern, GPS-Sensoren und Satelliten, um Magmabewegungen zu erfassen (Vulkane.net (Fachportal für Vulkanologie))
- Das GFZ Potsdam betreibt eines der dichtesten Überwachungsnetze Europas, insbesondere in Italien und auf den Kanaren
- Gas-Analysen messen steigende Schwefeldioxid-Werte als Frühindikator für aufsteigendes Magma
Die Datenflut hilft, aber eine präzise Vorhersage des genauen Ausbruchszeitpunkts ist weiterhin nicht möglich. Die Wissenschaft kann heute jedoch gut einschätzen, welche Vulkane sich in einer kritischen Phase befinden.
Fazit: Die Überwachung ist so gut wie nie zuvor, aber ein Restrisiko bleibt. Für Reisende in Vulkanregionen gilt: offizielle Warnstufen ernst nehmen und die lokalen Notfallpläne kennen.
Was war der schlimmste Vulkanausbruch der Welt?
Die größten Eruptionen der Geschichte
- Der Ausbruch des Tambora auf der indonesischen Insel Sumbawa im April 1815 gilt als die verheerendste Eruption der Neuzeit mit etwa 71.000 Todesopfern (Wikipedia)
- Die Aschewolke des Tambora erreichte eine Höhe von über 40 Kilometern und senkte die globale Temperatur im Folgejahr um rund 0,5 °C – 1816 ging als „Jahr ohne Sommer“ in die Geschichte ein
- Der Krakatau-Ausbruch 1883 erzeugte den lautesten Knall der Neuzeit, der noch 3.000 Kilometer entfernt in Australien zu hören war (Wikipedia)
Der Pinatubo auf den Philippinen schleuderte 1991 so viel Schwefeldioxid in die Stratosphäre, dass die globale Durchschnittstemperatur für zwei Jahre um 0,5 °C sank (Wikipedia).
„Der Ausbruch des Pinatubo 1991 war der erste große Vulkanausbruch, den die moderne Wissenschaft mit einem dichten Überwachungsnetz begleiten konnte. Die Evakuierung von Zehntausenden Menschen hat viele Leben gerettet.“
– Dr. Thomas Walter, GFZ Potsdam (zitiert in ARD alpha)
Vesuv 79 n. Chr. – Pompeji
- Der Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 n. Chr. begrub die römischen Städte Pompeji und Herculaneum unter einer meterhohen Schicht aus Asche und Bimsstein (Wikipedia)
- Die geschätzte Todeszahl liegt bei mehreren Tausend, die genaue Zahl ist unbekannt
- Die bis heute konservierten Leichenabdrücke in Pompeji geben einen einzigartigen Einblick in die letzte Stunde der Stadt
Der Vesuv ist gleichzeitig der am besten erforschte und einer der gefährlichsten Vulkane der Welt – weil rund drei Millionen Menschen in seiner unmittelbaren Umgebung leben. Die Evakuierungspläne für Neapel sind komplex und werden regelmäßig geübt, aber ob sie im Ernstfall rechtzeitig greifen, ist eine offene Frage.
Die Botschaft ist klar: Auch nach Jahrtausenden der Forschung bleibt der Vesuv eine Herausforderung – für Wissenschaftler und Anwohner gleichermaßen.
Ist La Palma wirklich passiert?
Der Vulkanausbruch auf La Palma 2021
- Der Ausbruch des Vulkans Tajogaite begann am 19. September 2021 im Gebiet Cumbre Vieja und dauerte 85 Tage – der längste historische Ausbruch auf der Insel (Visit La Palma (offizielle Tourismusseite))
- Die Lava zerstörte etwa zehn Prozent der Inselfläche, rund 3.000 Gebäude wurden beschädigt oder zerstört (SpanienAktuell (Nachrichtenportal))
- Rund 5.000 Hotel- und Ferienhausbetten fielen den Lavaströmen zum Opfer. Es gab offiziell keine Todesopfer durch den Ausbruch selbst (SpanienAktuell)
Die Aktivität wurde vom Instituto Geográfico Nacional als strombolianischer Eruptionstyp mit einem Vulkanexplosivitätsindex (VEI) von 3 auf einer Skala bis 8 eingestuft (Visit La Palma).
Die Netflix-Serie „La Palma“ – Fiktion und Wahrheit
- Die Serie „La Palma“ von Netflix zeigt ein fiktives Worst-Case-Szenario, in dem die Insel nach einem Vulkanausbruch auseinanderbricht und ein Mega-Tsunami Europa trifft
- Die wissenschaftliche Realität ist deutlich weniger dramatisch: Ein solcher Hangrutsch mit Tsunami-Gefahr ist extrem unwahrscheinlich und wird von der Mehrheit der Vulkanologen als übertrieben angesehen
- Der tatsächliche Ausbruch 2021 auf La Palma hatte einen VEI von 3 – deutlich unterhalb des Niveaus, das für einen Inselkollaps nötig wäre
Die Netflix-Serie hat auf der ganzen Welt Ängste geschürt, die wissenschaftlich nicht haltbar sind. Für die Menschen auf La Palma, die noch mit den Folgen des realen Ausbruchs kämpfen, ist diese Verzerrung eine zusätzliche Belastung – der Tourismus leidet unter dem Mythos, die Insel sei gefährlich oder stehe vor dem Untergang.
Kann La Palma auseinanderbrechen?
- Die These, dass La Palma durch einen Vulkanausbruch auseinanderbrechen könnte, ist wissenschaftlich stark umstritten (Wikipedia)
- Geologische Studien zeigen, dass die Westflanke der Insel zwar instabile Zonen aufweist, ein kompletter Kollaps aber nur bei einem extrem seltenen Ereignis mit VEI 6 oder höher denkbar wäre
- Die Mehrheit der Vulkanologen hält die Tsunami-Gefahr durch einen Hangrutsch auf La Palma für realistisch, aber nicht für unmittelbar oder wahrscheinlich
Fazit: Der Ausbruch 2021 war real, zerstörerisch und hat das Leben auf der Insel nachhaltig verändert. Die Netflix-Serie zeigt eine übertriebene Fiktion. Für Besucher gilt: La Palma ist sicher, die Warnstufe ist gelb, und die Natur zeigt sich gerade an den Lavafeldern von ihrer faszinierenden Seite.
Wo liegt der größte Supervulkan der Welt?
Supervulkane und ihre Standorte
- Der bekannteste Supervulkan ist der Yellowstone in Wyoming, USA – seine Caldera misst rund 55 mal 72 Kilometer (Wikipedia)
- Ein Supervulkan ist definiert als ein Vulkan, der mindestens 1.000 Kubikkilometer Material in einer einzigen Eruption ausstoßen kann – das Tausendfache eines normalen Ausbruchs
- Der letzte Superausbruch ereignete sich vor etwa 26.500 Jahren am Taupo in Neuseeland (Wikipedia)
Yellowstone – der bekannteste Supervulkan
- Der Yellowstone-Supervulkan liegt im Nordwesten der USA, hauptsächlich im Bundesstaat Wyoming (Wikipedia)
- Die Magmakammer unter Yellowstone ist aktiv, aber die Wahrscheinlichkeit eines Ausbruchs in den nächsten Jahrhunderten wird von der USGS als extrem gering eingeschätzt (weniger als 0,01 % pro Jahr)
- Ein Ausbruch des Yellowstone hätte globale Klimafolgen: Die Aschewolke würde die Sonne verdunkeln und zu einem vulkanischen Winter mit globalen Ernteausfällen führen
„Yellowstone ist eines der am intensivsten überwachten Vulkansysteme der Welt. Wir würden jede Veränderung im Magmakörper monatelang, wenn nicht jahrelang im Voraus messen. Ein plötzlicher Ausbruch ohne Vorwarnung ist praktisch ausgeschlossen.“
– Marc Szeglat, Vulkanologe bei Vulkane.net
Toba und Campi Flegrei
- Der Toba-Supervulkan in Indonesien erzeugte vor 74.000 Jahren einen Ausbruch, der einen globalen Winter auslöste und möglicherweise einen genetischen Flaschenhals in der menschlichen Evolution verursachte (Wikipedia)
- Die Campi Flegrei in der Nähe von Neapel zeigen seit Jahren erhöhte Aktivität – der Boden hebt sich, und die Erdbebenhäufigkeit nimmt zu (Wikipedia)
- Der letzte Ausbruch der Campi Flegrei war 1538, die Region wird von der italienischen Zivilschutzbehörde rund um die Uhr überwacht
Der Unterschied zwischen einem „normalen“ Vulkan und einem Supervulkan ist nicht nur die Größe, sondern auch die Art des Ausbruchs – Supervulkane bilden riesige Calderen und haben das Potenzial, das globale Klima für Jahre zu beeinflussen.
Warum können Flugzeuge nicht durch Asche fliegen?
Wie Vulkanasche Triebwerke zerstört
- Vulkanasche besteht aus winzigen, scharfkantigen Glaspartikeln, die bei der Temperatur in Flugzeugtriebwerken (rund 1.400 °C) schmelzen und sich als glasartige Schicht auf die Turbinenschaufeln legen (Wikipedia)
- Dieser Prozess führt zum Strömungsabriss im Triebwerk – im schlimmsten Fall fallen alle Triebwerke aus, wie 1982 bei einer British-Airways-Maschine über Indonesien geschehen
- Neben den Triebwerken verstopft die Asche auch die Druckluft- und Filtersysteme des Flugzeugs, was die Kabinenversorgung gefährdet (Tagesschau (ARD-Nachrichten))
Vulkanasche ist für Flugzeuge nicht wie Rauch oder Staub – sie wirkt im Triebwerk wie Sand in einer Feinmechanik: Sie schmilzt, verklebt und zerstört. Die Entscheidung, den Luftraum zu sperren, ist keine Vorsichtshandlung, sondern eine zwingende Sicherheitsmaßnahme.
Der Ausbruch des Eyjafjallajökull 2010
- Der isländische Vulkan Eyjafjallajökull brach im April 2010 aus und legte den europäischen Flugverkehr für sechs Tage lahm – insgesamt wurden rund 100.000 Flüge gestrichen und zehn Millionen Passagiere waren betroffen (Wikipedia)
- Die Aschewolke erreichte Höhen von 8 bis 11 Kilometern und driftete aufgrund der Wetterlage direkt nach Zentraleuropa
- Der wirtschaftliche Schaden wurde auf 2,5 bis 5 Milliarden Euro geschätzt – das Ereignis veränderte die internationalen Regeln für Flugverbote in Aschezonen grundlegend
Sind Hubschrauber und andere Flugzeuge gefährdet?
- Ja, auch Hubschrauber sind betroffen – die Asche verstopft die Luftfilter und kann die Rotorblätter durch Abrasion beschädigen (Wikipedia)
- Kolbenmotor-Flugzeuge haben eine etwas höhere Toleranz als Düsentriebwerke, sind aber ebenfalls gefährdet, insbesondere durch Ascheablagerungen im Vergaser
- Moderne Triebwerkshersteller wie Rolls-Royce und GE arbeiten an ascheresistenteren Turbinenschaufeln und Beschichtungen – ein vollständiger Schutz ist aber technisch noch nicht möglich
Die Luftfahrt hat aus 2010 gelernt: Heute gibt es ein gestaffeltes System aus Aschekonzentrationszonen, in denen je nach Belastung geflogen werden darf oder nicht. Die Entscheidung liegt bei den nationalen Luftfahrtbehörden, die in Echtzeit mit Vulkanologen zusammenarbeiten.
Welche sind die gefährlichsten Vulkane der Welt?
Gefahrenpotenzial und Risikobewertung
- Der Merapi in Indonesien ist einer der aktivsten und gefährlichsten Vulkane der Welt – er bricht im Durchschnitt alle 5 bis 10 Jahre aus und liegt dicht besiedelt in der Nähe von Yogyakarta (Wikipedia)
- Der Nyiragongo im Kongo besitzt einen permanenten Lavasee und bedroht die Stadt Goma mit rund zwei Millionen Einwohnern – 2002 forderte ein Ausbruch 245 Todesopfer und ließ 120.000 Menschen obdachlos werden (Wikipedia)
- Der Vesuv nahe Neapel ist aufgrund der extrem hohen Bevölkerungsdichte von rund drei Millionen Menschen in der unmittelbaren Gefahrenzone der potenziell gefährlichste Vulkan Europas (Wikipedia)
Risikofaktor Mensch
- Die Gefährlichkeit eines Vulkans wird nicht nur durch seine Eruptionskraft bestimmt, sondern auch durch die Anzahl der Menschen in seiner Umgebung
- Der Ausbruch des Pinatubo 1991 (VEI 6) forderte „nur“ 847 Todesopfer, weil frühzeitig evakuiert wurde – der Ausbruch des Nevado del Ruiz 1985 in Kolumbien forderte 25.000 Tote, weil die Warnungen ignoriert wurden
- Die UN hat 2017 eine Liste von 16 „Decade Volcanoes“ veröffentlicht, die aufgrund ihrer Aktivität und Bevölkerungsgefährdung prioritär erforscht werden
„Der Vesuv ist eine tickende Zeitbombe, aber wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Uhr zu lesen. Die Evakuierungspläne für Neapel gehören zu den detailliertesten der Welt – der Schlüssel ist die Disziplin der Bevölkerung.“
– Dr. Thomas Walter, GFZ Potsdam
Die größte Herausforderung für die Vulkanologie ist nicht die Technik, sondern die Kommunikation: Warnungen müssen verständlich und rechtzeitig bei den Menschen ankommen – und sie müssen ernst genommen werden.
Zeitleiste der größten Vulkanausbrüche
- 79 n. Chr. – Ausbruch des Vesuvs – Zerstörung von Pompeji und Herculaneum (Wikipedia)
- 1815 – Tambora-Ausbruch in Indonesien – das Jahr ohne Sommer (Wikipedia)
- 1883 – Krakatau-Ausbruch – gewaltige Explosion und Tsunami (Wikipedia)
- 1991 – Pinatubo-Ausbruch (Philippinen) – weltweite Temperatursenkung (Wikipedia)
- 2010 – Eyjafjallajökull (Island) – tagelanges Flugverbot über Europa (Wikipedia)
- 2021 – Cumbre Vieja (La Palma) – Zerstörung von 3.000 Gebäuden (Wikipedia)
- 2023–2024 – Mehrere Ausbrüche in Island (Reykjanes-Halbinsel)
Die Zeitleiste zeigt ein Muster: Vulkanausbrüche werden nicht häufiger, aber ihre Auswirkungen auf die globale Gesellschaft nehmen durch dichteren Flugverkehr, wachsende Bevölkerungsdichte und vernetzte Wirtschaftskreisläufe zu.
Bestätigte Fakten und was unklar bleibt
Die Forschung hat viele Aspekte von Vulkanausbrüchen geklärt – aber nicht alle. Ein ehrlicher Faktencheck zeigt, wo die Wissenschaft steht.
Bestätigte Fakten
- Der Ausbruch auf La Palma 2021 hat tatsächlich stattgefunden – der Tajogaite war aktiv und zerstörte rund 3.000 Gebäude (Visit La Palma)
- Vulkanasche kann Flugzeugtriebwerke zerstören – dies ist durch den Ausbruch des Eyjafjallajökull 2010 und die Triebwerksausfälle von 1982 eindeutig belegt (Wikipedia)
- Der Yellowstone-Supervulkan ist geologisch aktiv, aber ein Ausbruch in naher Zukunft ist extrem unwahrscheinlich (Wikipedia)
- Die Lava des Tajogaite zerstörte etwa 10 Prozent der Fläche La Palmas (Visit La Palma)
Was unklar ist
- Ob ein großer Supervulkan in den nächsten Jahrzehnten ausbrechen wird, ist wissenschaftlich nicht vorhersagbar – die Unsicherheit ist hier besonders groß
- Die genauen Todeszahlen historischer Ausbrüche (z. B. Tambora mit 71.000 geschätzten Toten) sind Schätzungen, die auf unvollständigen Aufzeichnungen beruhen
- Ob La Palma durch einen Vulkanausbruch auseinanderbrechen kann, ist wissenschaftlich umstritten – die Mehrheit der Vulkanologen hält das Szenario für extrem unwahrscheinlich
- Ein YouTube-Beitrag aus der Community berichtet von 7.000 Menschen, die auf La Palma ihre Häuser verloren haben – diese Zahl ist nicht offiziell bestätigt (YouTube (Community-Beitrag))
Anmerkung der Redaktion: Die genannten 7.000 Obdachlosen stammen aus einem nicht verifizierten Community-Video. Offizielle Quellen wie SpanienAktuell sprechen von rund 5.000 zerstörten Betten in Hotels und Ferienwohnungen und mehreren Tausend betroffenen Einwohnern, aber von keinen bestätigten 7.000 Obdachlosen. Wir empfehlen, diese Zahl mit Vorsicht zu behandeln.
Die Balance zwischen bestätigten Fakten und berechtigten Fragezeichen zeigt: Die Vulkanologie ist eine junge Wissenschaft, die enorme Fortschritte gemacht hat, aber längst nicht alle Antworten parat hat. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von intellektueller Redlichkeit.
Zusammenfassung und Ausblick
Vulkanausbrüche sind eines der beeindruckendsten und gefährlichsten Naturphänomene unseres Planeten. Die Wissenschaft hat in den letzten Jahrzehnten enorme Fortschritte bei der Überwachung und Vorhersage gemacht – vom dichten Sensornetz am Ätna bis zur satellitengestützten Aschewolken-Verfolgung. Gleichzeitig zeigen die Mythen um La Palma und die Ängste vor einem Yellowstone-Ausbruch, wie wichtig eine faktenbasierte Berichterstattung ist. Die größte Herausforderung ist nicht der Vulkan selbst, sondern die Kommunikation: Warnungen müssen verstanden, ernst genommen und befolgt werden. Für Reisende in Vulkanregionen, für Anwohner und für die Luftfahrtbranche gilt gleichermaßen: Die Gefahr ist real, aber beherrschbar – solange Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit zusammenarbeiten.
Für die Menschen in Neapel, auf La Palma und an den Hängen des Merapi ist die Botschaft klar: Die Vulkane werden weiter ausbrechen, und wir müssen weiter lernen, mit ihnen zu leben – nicht in Angst, sondern mit Respekt und Vorbereitung.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie entsteht ein Vulkanausbruch?
Ein Vulkanausbruch entsteht, wenn geschmolzenes Gestein (Magma) aus dem Erdmantel durch Risse in der Erdkruste aufsteigt. Der Druck der enthaltenen Gase treibt das Magma nach oben, bis es als Lava, Asche oder Gas austritt. Die Plattentektonik bestimmt, wo Vulkane entstehen – vor allem an den Grenzen der Erdplatten.
Kann man Vulkanausbrüche vorhersagen?
Eine präzise Vorhersage des genauen Zeitpunkts ist nicht möglich. Aber Wissenschaftler können anhand von Seismometern, GPS-Daten und Gas-Analysen frühzeitig erkennen, wenn ein Vulkan in eine kritische Phase eintritt. Die Evakuierung vor dem Pinatubo-Ausbruch 1991 gilt als Erfolgsbeispiel der Vulkanüberwachung.
Was ist Lava und wie heiß ist sie?
Lava ist ausgetretenes Magma, das an der Erdoberfläche austritt. Ihre Temperatur liegt je nach Zusammensetzung zwischen 700 °C und 1.200 °C. Basaltische Lava, wie sie auf Island vorkommt, ist mit 1.000 bis 1.200 °C besonders heiß und dünnflüssig.
Wie lange dauert ein Vulkanausbruch durchschnittlich?
Die Dauer variiert enorm – von wenigen Stunden bis zu mehreren Jahren. Der Tajogaite auf La Palma war 85 Tage aktiv. Der Kīlauea auf Hawaii ist seit 1983 nahezu ununterbrochen ausgebrochen. Die durchschnittliche Dauer eines größeren Ausbruchs liegt bei wenigen Wochen bis Monaten.
Sind alle Vulkane gefährlich?
Nein. Viele Vulkane sind inaktiv oder zeigen nur geringe Aktivität, die keine Gefahr darstellt. Die Gefährlichkeit hängt vom Eruptionstyp, der Nähe zu besiedelten Gebieten und der Vorhersagbarkeit ab. Ein Vulkan in der Wüste ist weniger gefährlich als ein kleinerer Ausbruch nahe einer Großstadt (Vulkane.net).
Was ist ein Supervulkan?
Ein Supervulkan ist ein Vulkan, der bei einem einzigen Ausbruch mindestens 1.000 Kubikkilometer Material ausstoßen kann – das ist tausendmal mehr als ein normaler Vulkanausbruch. Bekannte Supervulkane sind Yellowstone (USA), Toba (Indonesien) und die Campi Flegrei (Italien). Ein solcher Ausbruch hätte globale Klimafolgen (Wikipedia).
Wie schützt man sich vor Vulkanasche?
Der beste Schutz ist, den Anweisungen der lokalen Behörden zu folgen. Vulkanasche kann Atemwegsprobleme verursachen, daher sind dichte Masken (FFP2/3) und Schutzbrillen wichtig. Fenster und Türen sollten abgedichtet werden. Für den Flugverkehr gibt es Asche-Konzentrationszonen, die je nach Belastung befahren oder umflogen werden müssen (Tagesschau).
Welche Rolle spielen Vulkane für das Klima?
Große Vulkanausbrüche können das globale Klima vorübergehend abkühlen, indem sie Schwefeldioxid in die Stratosphäre schleudern, das sich in Sulfat-Aerosole verwandelt und einen Teil der Sonneneinstrahlung reflektiert. Der Pinatubo-Ausbruch 1991 senkte die globale Temperatur um rund 0,5 °C für zwei Jahre. Langfristig sind Vulkane aber auch eine wichtige CO₂-Quelle (Wikipedia).